Struktur eines "erfolgreichen" Rufmordes

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Wie kann man einen ungeliebten Kollegen auf möglichst effektive Weise loswerden?

Dazu müssen einige Bedingungen erfüllt werden:

  1. Man benötigt ein paar Mitarbeiter, die man auf seine Seite ziehen kann.
  2. Einflussreiche, finanzstarke Partner mit Erfahrungen und ohne Skrupel.
  3. Gute Beziehungen zur örtlichen Presse (am besten man hat einen Redakteur an oder in der Hand).
  4. Der Arbeitgeber muss möglichst eng an moralische Vorgaben gebunden sein (kirchliche oder staatliche Arbeitgeber sind ideal).
  5. Sehr nützlich ist es, wenn der Arbeitgeber verwinkelte, dezentrale Strukturen aufgebaut hat (dann dauert es sehr lange, bis die rechte Hand merkt, dass der linken ein Finger fehlt).

Nun zur Verfahrensweise:

Am geeignetsten ist ein Mitarbeiter, der seinem Arbeitgeber gegenüber sehr loyal auftritt und viel Wert auf gepflegte Umgangsformen seinen Kollegen gegenüber legt. Diese Menschen sind skrupellosen Mobbern meist hoffnungslos unterlegen und leisten wenig Gegenwehr.

In unserem Beispiel soll eine Leitungsstelle in einem Kindergarten "freigeräumt" werden.          Die bisherige Leiterin kümmerte sich zuviel um die Kinder und zu wenig um den Tratsch mit den Eltern - unmöglich in einem kleinen Dorf. Außerdem kam sie aus der ehemaligen DDR und war schon etwas über 40 Jahre alt!!    

Der Arbeitgeber war ein Kirchenvorstand, dessen Mitglieder aus verschiedenen Orten, räumlich also schön dezentralisiert, stammten. Der zuständige Pfarrer war schwach und selbst oft genug Zielscheibe für Spott und Hohn im Ort - er würde sich eher verstecken als schützend vor die Leiterin stellen! Außerdem haben wir auch "unseren Mann" im Kirchenvorstand.
 

Die Vorlage ist - im Kindergarten wechselt häufig das Personal (es gibt zwar immer triftige Gründe, hier geht es aber nur um das Faktum). Da der Arbeitgeber öffentlich, also auch den Eltern gegenüber eine Schweigepflicht hat, darf er diese persönlichen Gründe gar nicht nennen. Wir können also munter spekulieren!!

Gerüchte werden in die Welt gesetzt:

  • Die Leiterin hat ein Verhältnis mit dem Pfarrer.
  • Die Leiterin hat die Mitarbeiterinnen beschimpft.
  • Sie engt ihre Kreativität ein (was immer das auch ist).
  • Sie hat schon viele Kolleginnen rausgemobbt. usw.

Wir wollen endlich Frieden in unserem Kindergarten  - zum Wohl unserer Kinder!

Unter diesem Motto können wir jetzt frontal angreifen:

  • Gespräch mit dem zuständigen Dekan (wir versichern schnell mal, dass es uns nur um das Wohl unserer Kinder geht und wir nicht an die Presse herantreten werden).
  • Planung unseres Presseauftritts ist schon Wochen vor dem Gespräch gelaufen:                     

          Wie kann man die Presse zur Berichterstattung "zwingen"? (wir wollen ja keine 

          Verbindungen auffliegen lassen) - wir d e m o n s t r i e r e n! Die Zeitung muss berichten!

Nun nimmt alles seinen Lauf, innerhalb weniger Wochen ist die die Leiterin krankgemobbt, wir haben den Ruf edler Widerstandskämpfer gegen Behördenwillkür und mobbende Leitungen und unsere Favoritin kann ihre Stelle antreten. Keine Frage, sie ist uns viel schuldig und der Pfarrer weiß inzwischen auch, wo seine wahren Freunde sitzen...

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